Die Erlebnisse eines Siebzehnjährigen als Soldat im 2. Weltkrieg

Gut Klessin, aus dem Kriegstagebuch; Schlossruine im Zweiten Weltkrieg, März 1945.

- Geformt für das SchlachtfeldNahkämpfe in der “Hitler-Festung Klessin” -
-  Abenteuerreiche Kriegsgefangenschaft mit drei Fluchtversuchen! -

AGBs - WiderrufsrechtDatenschutzBestellseiteder AutorImpressum - Kontakt

 

Blick in das Buch

Mittags, am nächsten Tag, müssen wir antreten. Mit über den Kopf hochgehaltenen Händen marschieren wir, von französischen Soldaten bewacht, ca. 18 Km nach Lindau am Bodensee. Vom ständigen hochhalten der Arme schmerzen diese und fallen runter. Wir werden angeschrieen und müssen die Arme immer wieder heben. Dann, nach einer langen Zeit dürfen wir die Arme mit gefalteten Händen auf dem Kopf auflegen. So marschieren wir bis Lindau, das wir am späten Nachmittag erreichen. Es geht über die Brücke auf die Insel. Das große Bootshaus auf der Insel und das dazugehörende Gelände ist zum Teil mit einem hohen Stacheldrahtverhau eingezäunt und dient als Gefangenenlager. Hier werden wir abgeliefert. Dieses provisorische Lager ist bereits mit gefangenen Soldaten überfüllt. Ich sehe auch viele Männer, die keine Soldaten sind. Alle, die irgendeine uniformähnliche Kleidung tragen, werden in den ersten Tagen von den Franzosen gefangen gehalten. Ich sehe Förster und auch Eisenbahner darunter. Ein älterer Jäger mit einem Jägerhut und einer grünen Jägerkluft fällt mir besonders auf. Er wurde mit seinem Gewehr und Fernglas auf der Jagd überrascht. Es sind aber auch viele Männer, wie ich, in Zivilkleidung darunter.

An der Nordwand vor dem Bootshaus, unter einem Baum, habe ich mich auf dem Kiesboden niedergelassen. Hier sitze ich nur ein paar Meter vor dem Wasser des Bodensees. Mein Blick geht auf das gegenüber liegende Ufer, das mit einigen Villen bebaut ist.

Die nächsten Tage verbringe ich hier. Essen und Wasser gibt es nicht. Zum Glück habe ich noch meinen Käse. Den Rucksack unter meinem Kopf, liege ich nachts auf dem Kiesboden. Als Zudecke dient mir meine Jacke. In den einen Armeinschlupf der Jacke stecke ich meinen Kopf, in den anderen mein rechtes Knie. So verbringe ich zusammengerollt die am Wasser kühlen Nächte.

Die Tage sind heiß und heizen den Körper in der Maisonne auf. An das nahe Wasser zum Bodensee, zum Abkühlen, können wir nicht. Sofort wird geschossen. Wir haben Durst. Im Gelände gibt es nur eine Wasserstelle. Hier stehen die Männer über Stunden in einer langen Schlange. Nur einmal komme ich an diesen Wasserhahn, aus dem ständig das Wasser fließt. Ich besitze kein Gefäß in dem ich einen Wasservorrat ansammeln kann. So kann ich nur meinen Mund unter das Wasser halten und mit der hohlen Hand das Wasser trinken. Bald werde ich von den hinter mir stehenden Männern abgedrängt, die gierig zum Wasser drängeln.

Ich stehe mit vielen Gefangenen am Nordufer der Insel, das hier nur mit einem Geländer aus Eisenrohren eingefasst ist. Vor einer Villa am Festlandufer auf der gegenüber liegenden Seite wird ein Paddelboot zu Wasser gelassen. Eine junge Frau steigt ein und paddelt in unsere Richtung. Sie ist noch ca. 50 Meter von unserem Ufer entfernt. Wir rufen ihr zu, dass sie wenden und zurückpaddeln soll. Sie hört nicht auf uns und kommt dem Ufer näher. Ein französischer Panzer, der zu unserer Bewachung westlich vom Bootshaus steht, eröffnet aus einem Maschinengewehr das Feuer. Die Geschosse schlagen vor dem Boot ins Wasser. Schnell wendet sie jetzt ihr Boot und paddelt zurück zum anderen Ufer. Sie ist getroffen. Hinter dem Boot verfärbt sich das Wasser rot mit Blut. Am anderen Ufer ist man auf sie aufmerksam geworden. Sie wird aus dem Boot gehoben und ins Haus getragen.

Heute haben wir den 8. Mai 1945. Die Kapitulation wurde unterzeichnet. Die Franzosen feiern ausgelassen ihren Sieg über das deutsche Volk und das Hitlerregime. Von überall hört man das laute Bellen der in die Luft schießenden Handfeuerwaffen. Am Abendhimmel ein großes Feuerwerk über der Stadt. Wir betrachten uns das Ganze schweigend und bedrückt. Haben wir doch diesen Krieg wieder einmal verloren. Aber im Grunde sind auch wir froh, dass jetzt endlich dieses schreckliche Geschehen ein Ende hat.

Am nächsten Morgen steht eine lange Kolonne Militär-Lastwagen auf der Straße vor dem Tor. Es sind die bekannten US-Laster. Sie sind ohne Verdeck, nur das Tragegestell für die Planen ist angebracht. Die Fahrer sind Schwarze der französischen Armee. Wir werden auf diese Fahrzeuge verladen, dicht gedrängt stehen wir auf der Ladefläche. Schnell geht die Fahrt über die Straßen, durch die Fliehkraft neigt sich die lebende Fracht in den Kurven seitwärts. Um das Gleichgewicht zu halten, klammern wir uns mit den Händen an den Tragelatten des Gestänges fest.

Die Fahrt endet in Tuttlingen. Hier werden wir vor einer großen Wiese abgeladen, welche mit einem über zwei Meter hohen Drahtverhau eingefasst ist. Durch ein geöffnetes Tor werden wir hineingetrieben. Es ist ein Sammellager. Den ganzen Tag über kommen Lastwagen mit weiteren Gefangenen. Ich suche mir einen freien Platz und lasse mich im Gras nieder. Zum Essen gibt es hier nichts. Auch mein Käse ist aufgebraucht. Für das ganze Lager wieder nur eine Wasserstelle und es herrscht große Hitze. Um Kräfte zu sparen bleibe ich einfach in der Sonne liegen. Ich rühre und rege mich nicht, bleibe einfach liegen und döse vor mich hin. Einen Handwagen ziehend, kommen zwei Frauen vorbei und werfen Pellkartoffeln und Äpfel über den Zaun herüber. Die Landser streiten sich erbittert darum. Nach kurzer Zeit werden die Frauen vom Zaun vertrieben. Wild gestikulierend verhandeln sie mit einem Franzosen, der überprüft schließlich den Wagen, dann dürfen sie den Rest verteilen.

Es ist Christi Himmelfahrt. Früh am Vormittag werden wir wieder auf diese US-Laster verfrachtet und die Fahrt geht durch den Schwarzwald. Wir fahren Stunden. Hier brauche ich nicht zu stehen. Ich sitze mit einigen Kameraden hinten auf der Klappe, die rechts und links durch eine Kette gehalten wird. Ich genieße die Landschaft, die mir sehr gut gefällt. Fahrzeug an Fahrzeug reiht sich in einer langen Kolonne hintereinander. In den Dörfern stehen die Leute mit Wannen und Körben auf der Straße und werfen uns Äpfel, Pellkartoffeln und Brot zu. Die Laster fahren hier langsamer, sodass wir auch Flaschen mit Wasser oder Saft erhaschen, die uns zugereicht werden und die wir geschickt einfangen.

Im Güterzug nach Frankreich

Am Nachmittag kommen wir in Kehl am Rhein an. Hier werden wir abgeladen. Über eine Brücke geht es über den Rhein nach Straßburg. Auch hier stehen Leute und verteilen Wasser. Ich trinke Wasser aus einem Kanister. Es schmeckt nach Benzin und ist nicht genießbar. Dann kommen wir an einem Güterbahnhof an. Hier erhalten wir eine Marschverpflegung, eine kleine Wehrmachtsdose, gefüllt mit einem scharfen, ungarischen Gulasch. Für uns steht ein Güterzug bereit. Es sind offene Waggons, in die wir geladen werden. Mit vielen Kameraden sitze ich in einem dieser Eisenbahn-Wagen mit halb hohen Seitenwänden, auf denen vorher Steinkohle befördert wurde. Der Boden ist einige Zentimeter hoch mit Kohlenstaub bedeckt. Wir sitzen angenehm weich in diesem Dreck.

Der Zug setzt sich in Bewegung und die Fahrt geht westwärts durch das Elsass hinein nach Frankreich. Die Nacht verbringen wir schlafend im Sitzen. Der Tag ist sehr heiß. Die Sonne heizt unsere Körper unbarmherzig auf. Und wieder gibt es nichts zu trinken. Neben mir sitzt einer in einer schwarzen Panzer-Uniform. Er hat kurzes, blondes Haar. In seiner schwarzen Uniform mit seinem vollen, runden Gesicht, das von der kraftvollen Sonne rot gefärbt ist, fällt er mir besonders auf. Sein Kopf ist über ein kleines Buch mit rotem Einschlag gebeugt, in dem er ständig liest. Es ist ein Wörterbuch. Er lernt Französisch. Die Läuse plagen ihn. Eine Laus dringt aus dem Kragen seiner Jacke und ist im Nacken sichtbar. Von ihm lerne ich das erste französische Wort. Es heißt „merci“, danke. Im Laufe des Tages kommen noch einige hinzu.

Weiterlesen

Weiterlesen

Jetzt das Buch kaufen!

Jetzt auch als eBook

  Navigation:
  Buchvorstellung
  Kurzbeschreibung
  Leseprobe
  Kundenurteile
  Kriegsgefangene
  Der Autor
  Presseberichte
  Bestellseite

Das ideale Geschenk
für den Mann!

NACH OBEN

[Buchvorstellung: Eine Erzählung von Hugo Reinhart nach seinem Kriegstagebuch  aus dem Zweiten Weltkrieg] [Buchautor] [Buchbeschreibung >>Einer von denen war ich<< Zweiter Weltkrieg] [Leseproben] [Kundenurteile] [Presseberichte] [Deutsche Kriegsgefangene im 2. Weltkrieg] [Blick in das Buch] [Blick in das Buch] [Blick in das Buch] [Inhaltsverzeichnis]

Facebook[1]

gratis couter